Vintage Movies!

Neben all der schlimmen CORONA-Zeit (Krise!) und den häuslichen Vergnügungen (Frühjahrsputz, Bangen und Hoffen auf bessere Zeiten, Besinnlichkeit und beruflichem Auf- oder Abstieg) gibt es ja auch noch die guten alten Bücher und alten Filme, um den eventuellen Bildungslücken auf die Pelle zu rücken! Bei all der Betroffenheit und Tragik ob des Ausmaßes muss man ja einen irgendwie geartet klaren Kopf behalten.

In dieser Serie stelle ich Filme vor, die mal bekannter, mal unbekannter sind. In jedem Fall haben sie alle etwas gemeinsam: Diese Filme sind echte Klassiker und mit dem Prädikat “Besonders wertvoll!” ausgezeichnet.

Wir schauen auf großartige Persönlichkeiten aus der Filmgeschichte, geben unseren Senf dazu und verraten, was Sache ist.

FRANZÖSISCHES KINO
Heute am Start: Louis de Funes – Meister der verdrehten Worte und Gags

Meistens rotzfrech und zornig, dann wieder charmant und schlitzohrig, in jedem Fall immer amüsant. Wohl kaum ein anderer hat diese sehr männlichen Attribute und Charaktereigenschaften so gnadenlos und perfekt auf Zelluloid verkörpert wie der schrullig-komische Monsieur Louis de Funes.

Brust oder Keule, Frankreich 1977
Bester Witz und Esprit gepaart mit einer Prise „Lebensmittelindustrie-Kritik“ macht diesen Film um den begehrten und gefürchteten Restaurantführer DUCHAMIN (in Anlehnung an die heimliche Bibel Michelin!) mit dem hektisch-grantigen Gourmet-Papst Charles Duchamin inklusive seiner verdeckten Tester-Clique zu einem der besten französischen Komödien der Spät-Siebziger.

Der alte Duchamin hat sein Gastronomie-Kritiker-Imperium fest im Griff und ist der Grandsegnieur und Meister seines Fachs bei allen Gaumenfreuden. Allerdings wird er auch bei dem ein oder anderen Restaurantbesuch auf eine harte Probe gestellt mit unangenehmen Überraschungen! Ganz nebenbei deckt er noch mit seinem Sohn, der „nebenberuflich“ als Circus-Clown zwischen Vorstellung und Restauranttestessen hin und her manövriert, einen handfesten Lebensmittelskandal in der Branche auf. Kurzzeitig geht noch der unfehlbare Geschmackssinn stiften, der Sohnemann ist über beide Ohren in die aparte Sekretärin verliebt und der Wettstreit mit seinem bösen Widersacher im finalen showdown vor dem begeisterten Fernsehpublikum muss auch noch gewonnen werden! Ende gut, Funés gut!

Man spricht Deutsh, Deutschland 1988
Für alle, die mal wieder wissen wollen, wie deutscher Urlaub (und deutsche Gründlichkeit) mit heißen Traum-Flirts am Meer in Italien funktioniert, könnte dieses wunderschöne Filmwerk helfen. Auf den Punkt gebrachte Sätze und Dialoge mit bayerischem Charme (und der gewohnten Grantigkeit) , dem guten alten deutschen Verkehrsfunk aus dem Kofferradio und appetitlichen Schnorchel-Ausflüge mit würziger Note! Unvergessliche Urlaubserinnerungen, wenn Irmi (“Ich bin die Löffler Irmgard!”) ihrer Freundin Blinzi aus Günzelhofen in der Heimat am Autotelefon zu schwärmen weiß: „Schön! Schön, ja hier ist wunderschön… bei Euch auch schön? Ach das ist, schön, ja, hier ist andauernd schön, die ganzen vierzehn Tage wars schön!“

Gerhard Polt zeigt uns einmal mehr unterm italienischen Brennglas, welche kleineren und größeren Schwächen wir Deutsche so haben und wie putzig wir uns in Gesellschaft aufführen können. Insgeheim wünscht man sich vielleicht dann, dass „man“ genauso nicht ist und ertappt sich aber noch heimlicher beim Eingeständnis, dass in jedem von uns vielleicht doch genau dieses „Deutsh“ steckt und einfach zu uns gehört. Nebenbei lernt man natürlich noch etwas über Land und Leute (staunende Einheimische) und ihre Sicht auf die germannischen Eindringlinge. Nicht zu vergessen, der schnurrig-schnulzige Soundtrack mit all den schönen Italo-Liedern (amore!), die an die schönen Achtziger erinnern. Bildungsfernsehen, wie im echten Leben. Schön schön.
10 von 5 möglichen Sternchen!

El Alamein 1942, Italien 2002
Ein junger italienischer Freiwilliger von der Universität kommt zur nordafrikanischen Wüstenfront El Alamein, um mit seinen Kameraden gegen die Übermacht der englischen Front zu kämpfen. Gleich in den ersten Minuten zerfetzt eine Bombe den Begleiter, so dass gerade einmal ein abgetrenntes Ohr übrig bleibt. Die totale Ohnmacht. Ein hoffnungsloser und ungleicher Kampf, zu wenig Soldaten, zu wenig zu Essen, zu wenig Munition, zu wenig von allem. Und trotzdem machen alle weiter. Die anfängliche Euphorie weicht bald einer nüchternen Betrachtung und er merkt schnell, dass sein Leben im Krieg an einem seidenen Faden hängt. Einsamkeit und Verzweiflung, aber auch Freundschaft und Zusammenhalt werden in starken Bildern gezeigt.

Vielleicht ist eine der stärksten Szene in dem Film, als die jungen Soldaten einen unerlaubten Abstecher zum Meer machen und der Moment des Glücks und der Freiheit beim Anblick des weiten Horizonts jeden erfasst. Sie reißen sich die Uniformen im Rennen vom Leibe und springen ins Wasser, um den Augenblick zu feiern. Und das Leben. Denn das kann in den Wirren des Krieges sehr kurz sein. Zitat: „Jeder von uns bekommt drei Wunder geschenkt. Wenn alle Wunder aufgebraucht sind, hilft nur noch beten! Wieviele Wunder hast Du noch? Meine Wunder sind schon sehr lange aufgebraucht!“ Das Furchtbare am Krieg ist, dass es letztendlich nur Verlierer gibt.

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