Ein Knipser! Wahrlich. Ein Knipser!

Striiike! … und natürlich: Gut Holz! „Was Mehmet Scholz, Celine Dion, Karl May, Henry Maske, Richard von Weizäcker und Goethe gemeinsam haben!“ Ja klar, machen ja auch sonst Millionen Menschen auf dieser Erde gerne, Spiel, Spass, Spannung. Eine Frage muss sein: Ist das JETZT ein Knipser oder ein Künstler?

Die klassischen alten DDR Plattenbauten fand ich ja immer schon fotogen, diesen netten Dreiklang gibts oder gab es in der Nähe von Eberswalde.

Rolleiflex 6×6 mit Portra 160

Vielleicht ist es ja Jemandem aufgefallen, bei SPIEGEL ONLINE waren meine Fotografien zu sehen, gute Sache. Ich hatte ein Interview vorbereitet, hier ist es. Wen es interessiert, der kann das üppige Konvolut gerne lesen, enjoy!

Interview und Text “Bowling- und Kegelbahnen” 

Stefan Neubauer für SPIEGEL ONLINE

April 2018

 

Wie sind Sie darauf gekommen, Bowling- und Kegelbahnen zu fotografieren und was ist Ihre Motivation? 

Meine Leidenschaft für Bowling- und Kegelbahnen ging vor fünf Jahren 2013 los mit der Absicht, eine Reportage über alte Gast- und Wirtshäuser auf dem Land zu machen, die auch Kegelbahnen haben. Schnell merkte ich, dass gerade Bowlingbahnen mit ihren zum Teil spektakulären Wandbildern und Motiven eine besondere Optik und Ästhetik haben.

Zudem hatte ich bereits zu der Zeit eine neue und recht teure Technorama 617 und mir war klar, so eine Kamera braucht natürlich auch die richtigen Objekte und Orte, in diesem eindrucksvollen Panorama-Format. Das hat also alles gut gepasst. Bahnen, eine gute Kamera und mein Interesse an Linien, Formen, Symmetrien und natürlich Farben!

 

Was fasziniert Sie an diesen Motiven?

Kaum eine Bahn oder Anlage gleicht der anderen, es ist abwechslungsreich, es fordert mich ein bisschen heraus und ehrlich gesagt, es hat auch einen gewissen Charme, ob Riesen-Anlage oder kleine Gaststätte. Ich gebe aber gerne zu, dass es technisch und fotografisch gesehen nicht so besonders anspruchsvoll ist. Menschen und Situationen sind mir natürlich lieber als Fotograf, aber diese reine Architektur-Fotografie hat auch etwas Beruhigendes. Da konzentriere ich mich voll und ganz auf Motiv, Achse, Kameraausrichtung, Schärfe und dann natürlich das Einfachste: Das faszinierende Zusammenspiel aus Licht, Zeit und Blende. Dann wird das schon ein gutes Bild, und mit der schönen und eindrucksvollen Negativgröße lassen sich hervorragende Abzüge gestochen scharf machen und man hat eine so tolle Körnung! Das ist schon eine andere Qualität als mit einer gewöhnlichen Digitalkamera. Hat einfach mehr Stil. Dauert natürlich auch ein bisschen länger, bis man das Bild in den Händen hält, kostet auch etwas mehr, Digital ist einfach eine andere Welt. Außerdem bin ich ein hoffnungsloser Nostalgiker, mich wurmt immer noch, dass in meinem Heimatkaff im Taunus der alte „Bierkrug“ mit der einstigen Kegelbahn dicht gemacht hat, bevor ich sie fotografiert habe, mir kam die Idee mit dem Fotografieren einfach zu spät. Damned!

Und das ist mit Sicherheit auch Kindheit: Eine Geburtstagsfeier von einem Freund in dieser Location war ein absolutes Novum und Highlight. Gute Zeit damals.

Darf man das eigentlich heutzutage noch sagen? Heimat, Verbundenheit, Tradition? Kegeln und Bowling hat für mich definitiv etwas damit zu tun, das hat einen Wert, das hat etwas Vertrautes, gerade vielleicht das Gesellige und gehört deshalb für mich auch zu Deutschland dazu. Und dennoch wird es schon weniger, in manchen Städten als auch auf dem Land, das merke ich als Fotograf schon, aber nichtsdestotrotz, es gibt sie noch, auch die alten Gasthäuser und Menschen, die ihre Spiele lieben und schätzen.

 

Was gibt es für Unterschiede zwischen den Bahnen? Z.B. in Sachen Optik.

Zunächst einmal das Auffälligste, die Größe der Anlage oder Bahnen natürlich. Zudem kommt hinzu, dass manche mehr Wert auf ein „gutes“ oder „ausgefallenes“ Styling legen, andere nicht so. Natürlich ist eine Kegelbahn eine Kegelbahn, sie sollte immer 19,50 Meter lang sein, neun Kegel am Ende haben, die Kugeln sollten zwischen 2,81 bis 2,87 Kilogramm schwer sein, nun ja, aber es kommt halt auch auf das „Drumherum“ drauf an, logisch. Grundsätzlich muss ich schon nach all den Jahren sagen, fast alle Anlagen werden top-gepflegt und sind in einem absolut fantastischen Zustand. Das ist mein Lob und mein Dank an all die engagierten Menschen, die solche Anlagen, sei es beruflich bzw. geschäftlich oder gemeinnützig, bereitstellen und öffentlich machen.

 

Was war die erste Bahn, die Sie fotografiert haben und wann war das?

Die erste Anlage müsste ich wissentlich 2013 fotografiert haben, im Süden von Berlin, nahe dem alten Schönefelder Flughafen. Klassischerweise hatte die Bahn dann auch fliegerische Motive an den Wänden, nett! Ich hoffe, sie ist noch in Betrieb. Ich war begeistert und habe Unmengen an Aufnahmen gemacht, auch mit der seltsamen, mir damals noch fremden Schwarzlicht-Technik. Spielerei.

 

Und werden Sie irgendwann genug Bahnen fotografiert haben? 

Niemals! Es reizt mich wie am ersten Tag, davon kann man nicht genug bekommen. Gut, mit den Jahren nimmt die Emotionalität ein wenig ab, ich bin auch etwas wählerischer geworden, was die einzelnen Standorte und oder Motive anbetrifft. Das hundertste Mal eine Westernlandschaft zu fotografieren, ist nicht mehr ganz so sensationell. Aber es gibt in der Tat Motive, die ich noch nicht habe: Und die suche ich noch. Mir fehlen zum Beispiel ganz einfache oder traditionelle Anlagen, die noch wirklich im 50ziger Jahre Stil sind, zum Beispiel ganz schlicht oder mit klassischen Symbolen wie der Raute an den Wänden, einer Art Kreuzsterne oder sogar ovalen Formen. Das habe ich so noch nicht, ich wäre gespannt. Außerdem bin ich Journalist und Fotograf, da bin ich schon von berufswegen neugierig.

 

Wie viele Bahnen haben Sie bislang fotografiert?

Schwer zu sagen, ich habe sie nicht durchgezählt, ich fürchte, es sind noch viel zu wenig, was Deutschland anbetrifft! Aber ein paar Hundert müssten es schon sein, und dabei fehlen mir geografisch noch ziemliche Highlights: Im großen Bayernland und auch Rheinland, Ruhrpott habe ich noch nicht gewildert! Leider, sehr schade, aber ich hoffe, die Anlagen stehen noch da, auch wenn ich erst später vorbeischaue und einen Termin vereinbare.

Ein Gesamtkompendium wird wohl bei den, ich schätze, vielleicht realistisch, tausenden Anlagen in Deutschland nicht möglich sein, aber ich arbeite ja auch noch dran. Alleine Berlin und Umgebung schlägt schon mit geschätzten, bestimmt 50 Anlagen zu Buche. Wobei ich ja auch Anlagen fotografiere, die schon gar nicht mehr in Betrieb sind, viele machen natürlich bei der Dichte dann auch irgendwann zu, wenn die Konkurrenz zu groß ist und die Nachfrage zurückgeht, logisch.

 

Welche Bahnen wollen Sie noch fotografieren? Fotografieren Sie Bahnen international?

Bei mir steht noch einiges an, was Deutschland anbetrifft, da bin ich noch nicht einmal mit einem Bruchteil durch, würde ich schätzen und es gibt noch viele verborgenen Schätze, wie ich vermute, von denen ich jetzt noch gar keine Ahnung habe. Spannung. Ich bin natürlich auch für jeden guten Tip dankbar!

Wenn ich mit Rockefeller verwandt wäre, würde ich nichts anderes tun, als in der Weltgeschichte rumzureisen und Bowling- und Kegelbahnen fotografieren, ehrlich, das ware doch was. Ich finde, ich mache das auch anständig, leider fehlt es an dem nötigen Kleingeld für Flüge und Unterkunft. Alleine für Europa könnte man zwei Monate aufbringen, Japan ein halbes Jahr, der nordamerikanische Kontinent ein Leben lang wahrscheinlich. Spass beiseite, Ein kleiner oder auch großer Verlag würde mir aufs Erste schon genügen, die Bilder einem größeren Publikum bekannt zu machen! Es ist ja nicht so, dass ich kein Lob bekomme, die meisten Freunde finden die Bilder ziemlich gut. Der renommierte Hatje Cantz Verlag übrigens auch, allerdings wollten die von mir erst einmal 15.000 EUR, damit sie das bringen, da habe ich schnell Danke und Tschüß gesagt. So eine Chuzpe muss man erst einmal haben, halbwegs mittellose Fotografen so ausnehmen zu wollen. Ist schon eine verquere Welt, dachte ich.

Wenn ich im Frühling in Kairo, Ägypten bin, habe ich mir fest vorgenommen, eine Bahn ausfindig zu machen, allerdings muss die große Kamera zuhause bleiben, die ist vom Gewicht etwas zu schwer, leider also nur der halbe Spass, falls ich eine finde!

 

Haben Sie schon das nächste Motiv im Visier?

Ja! Die größte Anlage in Deutschland, die steht in München, im schönen Bayern, da muss ich hin, habe mit dem Besitzer schon gesprochen, geht alles klar. Wahrscheinlich im Frühling. So etwas wie die altehrwürdige Bowlingbahn im Frankfurter Henninger Turm soll mir nicht noch einmal durch die Lappen gehen, die habe ich kurz vor Schließung tatsächlich noch verpasst, werde ich mir nie verzeihen! Berlin war einfach zu weit entfernt.

 

Wo waren Sie bisher überall, um Bahnen zu fotografieren?

Zunächst habe ich alles zu meiner Berliner Zeit zentral von dort angesteuert, was möglich war, irgendwann wurden aber die einfachen Distanzen schon zu weit. Das wurde dann gleich zum logistischen Problem. Als ich in Leipzig und Dresden zuhause war, habe ich da vieles abgedeckt, meine Heimatstadt ist zwischen Frankfurt und Wiesbaden im Taunus, da habe ich auch schon vieles fotografiert und mittlerweile lebe ich im schönen Stuttgart und Baden-Württemberg! Hier gibts noch viel für mich zu tun, tolle locations und alte Gasthäuser in rauen Mengen, ich komme kaum nach! Als gebürtiger Hesse klappt es nun nach zwei Jahren auch einigermaßen mit der Verständigung im Ländle.

 

Welche ist Ihre „liebste“ Bahn?

Schwer, schwer, muss ich überlegen. Zwei fallen mir ein, die ich nachhaltig in Erinnerung habe.

Eine Kegelanlage im Berliner Osten, ein toller Ort, wunderschön gepflegt und lichtdurchflutet, alles hell und weiß, die Freundschaftswimpel an der Wand schmücken den Raum besonders.

Als Gegenpart zu dieser Bahn fällt mir die Bowlingbahn in Mainz ein, die mit einem absoluten Bilderpotpuri an den Wänden über bestimmt 20 Meter Breite eine tolle Atmosphäre schafft, da bekommt man doch Lust zu spielen!

 

Beschreiben Sie die Atmosphäre (Gerüche, Geräusche, Lichtverhältnisse…) während der Fototermine!

In der Regel besuche ich ja die Bahnen in den Mittagsstunden, wenn erst noch alles für die Gäste fertig gemacht wird. Dann ist alles schon sehr sauber vom Vorabend und ich warte manchmal, bis die automatischen Reinigungs- und Pflegemaschinen die Bahnen fertig machen, mit so einem speziellen Öl überziehen, glaube ich. Wenn dann das Licht und die Kegel oder Pins runtergelassen werden, kann’s auch schon losgehen mit dem Fotografieren. Bei Kegelbahnen hatte ich hin und wieder das Gefühl, ich muss ganz leise und andächtig sein, als ob ich eine heilige Kathedrale betrete, der eigentliche “Sportraum” ist ja auch manchmal durch eine Glaswand noch einmal wie ein Separee extra getrennt. Und bloß nichts anfassen, damit nichts kaputt geht, denke ich immer. Mit den Besitzern oder Wirten unterhalte ich mich dann meist recht freundlich, die haben so einen Typen mit so einem Tick und so einer seltsamen Kamera auch noch nie gesehen.

 

Bowlen und/oder kegeln Sie selber gern? Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Bowling-/Kegel-Erlebnis? Was mögen Sie lieber: Bowling oder Kegeln?

Ich bin so ein typischer U-Boot-Bowler, sagt man das? Alle Schaltjahre bin ich mal mit Freunden auf einer Anlage, immer gut, immer tolle Erinnerungen an einen guten Abend. Man denkt, „Mensch, was war ich wieder gut im „striken“, und alle sich auch angestrengt und körperlich verausgabt haben, das müssen wir recht schnell wieder machen, aber zeitlich bekommt man es dann doch nicht so schnell hin, wie einem lieb ist. Ich muss aber dazu sagen, dass ich sowieso nicht so ein Sportfanatiker bin, was auch wiederum keine Entschuldigung für meine Abwesenheit ist. Shame on me. Bowling oder Kegeln? Ich habe da keine Präferenz, ist beides prima.

 

Nach welchen Kriterien suchen Sie die Bahnen aus?

In der Tat ist mir die Begrenztheit meiner Möglichkeiten schon bewußt, insofern muss ich leider auch ein bisschen wählerisch sein. Ich informiere mich meist vorab im Internet, wo in welcher Region eine Bahn zu finden ist und schaue, ob es schon Fotos gibt. Ansonsten bin ich begeistert, wenn ich eine „kreative, künsterlische“ Umgebung vorfinde. Klar habe ich bei Exkursionen auch die ein oder andere Bahn in irgendeinem Nest durch Zufall entdeckt, das ist dann besonders schön.

Bowlingbahnen haben sich ja mehr und mehr zu Fullservice-Unterhaltungsbetrieben gewandelt mit Club, Lounge, Gastronomonie, Spielpark mit Billard und Tischfussball, es gibt Misswahlen oder sonstige Events. Bei Kegelbahnen ist das alles etwas ruhiger mit nicht so viel Drumherum. Beides finde ich interessant, hat ja auch beides seine Berechtigung. Bowling hat wahrscheinlich bisschen mehr von der Pop-Kultur, Kegeln ist wohl eher etwas konservativer. Ich habe nie so richtig herausgefunden, ob ein Kegler auch zum Bowling wechselt oder umgekehrt, ich glaube aber, man bleibt eher bei dem, was man kennt.

 

Vereinbaren Sie Termine mit den Besitzern?

Richtig, das gebietet ja allein die Höflichkeit, wenn man etwas von einem anderen will. Entweder per Mail oder gleich am Telefon, dann erkläre ich meinen Wunsch. In der Regel gibt es ja auch nichts gegen ein schönes Foto auszusetzen und dann klappt das schon mit einem Termin.

 

Warum fotografieren Sie die Bahnen nie in Betrieb?

Ehrlich gesagt, das Gewusel ist im Augenblick nicht so mein Motiv, ich möchte ja gerade die schlichte Eleganz und auch Ruhe in dieser sonst so turbulenten und quirligen Anlage. Außerdem würde ich mit meinem Rumgemache nun wirklich den Betrieb und die Gäste stören, das geht ja schlecht. Aber ich habe es auf dem Schirm, ich muss es tatsächlich mal ganz aktiv angehen, Aufnahmen von der „Live Action!“ zu machen, werden bestimmt auch schöne Bilder, vielleicht aus einer sicheren Entfernung. Definitiv muss ich auch noch die Eigentümer und Mitarbeiter der Anlagen in einem Extra-Band portraitieren. Menschen bei der Arbeit, immer ein spannendes und recht dankbares Thema.

 

Wie gehen Sie beim Fotografieren vor? Erklären Sie Ihre Technik!

Das ist nicht besonders schwer: Man nehme ein gutes Stativ, die große Kamera, vielleicht auch noch eins zwei externe Lichtquellen, Filme und Drahtauslöser, Belichtungsmesser kann nicht Schaden, mit der Zeit kann ich aber die Lichtverhältnisse einigermaßen einschätzen für Zeit und Blende. Für Probeaufnahmen benutze ich eine Digitalkamera, was mir als Analog-Liebhaber zwar etwas gegen den Strich geht, aber gänzlich möchte ich auch nicht darauf verzichten. Manchmal fotografiere ich auch noch Besonderheiten in den Räumlichkeiten, vielleicht ein Andenkenschrank mit vielen Pokalen oder Siegerurkunden, Maskottchen und anderen Trophäen oder Kuriositäten.

Damit es etwas einladender oder feierlicher aussieht, bitte ich den Techniker alle Lichter anzuschalten und die Kegel bzw. Pins runter zu lassen, das sieht dann aus, als ob es wirklich gleich losgehen kann. Meist wähle ich zwei unterschiedliche Längen, einmal ganz von vorn direkt an der Bahn, die zweite Aufnahme weiter weg mit mehr Umgebung. Geradestellen und ausrichten, dann zwischen 15 und 60 Sekunden Belichtung, Fertig ist die Aufnahme. Manuell vorspulen nicht vergessen! Nach knapp zwanzig Minuten bin ich dann in der Regel durch. Wenn es gut läuft, hat mir der Besitzer ein Glas mit einem Getränk spendiert. Im Gegenzug bekommt er dann eine Aufnahme von seiner Bahn und ein herzliches Dankeschön von mir.

 

Haben Sie sich mit der Geschichte des Sports beschäftigt und wenn ja, erzählen Sie gern davon!

Nun, Kegeln und somit auch Bowling gehören wohl zu den ältesten Sportarten der Welt, irgendwelche Dinge mit einem mehr oder weniger eleganten Wurf in einer gewissen Entfernung zu treffen und zu Fall zu bringen, das ist eine Art von Geschicklichkeit und Beschäftigung, die den Menschen seit jeher gefällt. Im alten Ägypten wurden wohl schon Hinweise ausgebuddelt und nachgewiesen.

In Europa waren es wohl alte Germanenstämme, die Spass an der Sache hatten. Und so hat sich die Geschichte des Kegelns wohl entwickelt. Frühe Aufzeichnungen aus Rothenburg ob der Tauber haben schon um 1157 das Kegeln in bestimmten Gesellschaftskreisen belegt. Durch ganz Europa hat sich der Siegeszug ausgebreitet. Zum Teil wurde Kegeln als Glücks- und Wettspiel verboten. Aus diesem Grund hat sich ja auch das Kegeln zum Bowling in Amerika mit der europäischen Auswanderungswelle  gewandelt: Aus neun Kegeln wurden zehn Pins, schon war es kein Glücksspiel mehr.

Aus einem Freizeitvergnügen im Freien wurde ein richtiger Breitensport, fest eingerichtete Kegelvereine wurden gegründet. Im Laufe der Zeit haben sich viele verschiedene Varianten entwickelt, die bis heute gelten, besonders was die Bahnart anbetrifft. Es gibt zum Beispiel die Classicbahn aus Asphalt, die Bohlebahn sowie die Scherenbahn. Die älteste Freiluft-Kegelbahn in Süddeutschland steht in Tübingen, im „Roigelhaus“, belegt sind Aufzeichnungen von 1789.

Eduard Mörike zum Beispiel hat eigens eine Ode ans Kegeln verfasst, der Dichter weilte in diesem Haus mit der Freiluftkegelbahn und dichtete (hier ein kleiner Ausschnitt):

 

Des Schloßküpers Geister zu Tübingen
Ballade, beim Weine zu singen 

“Der Narr, was kann er wollen?
Er macht sich an die Kugelbahn,
Läßt eine Kugel rollen,
Ein Höllenlärm geht an.

Es fahren gar behende
Acht Kegel hinterm Brett herauf,
Schrein: »Hagel und kein Ende!
Wer Teufel weckt uns auf?”

 

Auch Goethe und Schiller wird nachgesagt, dass sie begeisterte Kegelanhänger waren. Deutsche Geschichte, bitte schön. Karl May schreibt in seiner Autobiographie, dass er im Jahr 1854 als Kind selbst „Kegelaufsetzer“ war und sich Geld verdient hat. Und 1956 wurden in Deutschland die ersten vollautomatischen Kegelstellmaschinen in Betrieb genommen.

Es gibt natürlich auch aktuelle „Prominenz“ die sich gerne beim Bowling trifft oder Kegeln geht, bekannt ist mir, das so ein Fussball-Star wie Mehmet Scholl in der Vergangenheit ein große Leidenschaft hatte und im Verein spielte, na, das ist doch was! Bei irgendeinem Privatsender gab es sogar mal ein Promi-Kegeln, glaube ich. Nicht zu vergessen, der grandiose Hollywood-Streifen “The Big Lebowski” mit den verrückten Hauptdarstellern, die sich nun einmal gerne beim Bowling treffen.

In der ganzen Welt ist Bowling und Kegeln beliebt, es gibt natürlich auch in Deutschland Meisterschaften, Bundesliga und viele viele Vereine, die ihre Mannschaften aufstellen und die Jugend fördern. Nationalmannschaften in Kegeln und Bowling, Deutsche Meisterschaften, Europa- und sogar eine Weltmeisterschaft, nur olympische Disziplin ist es wohl nicht.

In Amerika wird wohl Bowling neben Baseball und Football immer ein gigantischer Volkssport bleiben, das hängt bestimmt auch mit der anderen Mentalität zusammen, dort werden Bowlingmeister wie wahre Helden verehrt und millionenschwer belohnt. Eine heilige Kuh in Indien bekommt sicher nicht so viel Aufmerksamkeit. In Deutschland ist es wahrscheinlich eher schwierig, als Berufs-Bowler oder -kegler, von Preisgeldern oder hohen Werbeverträgen leben zu können, vielleicht täusche ich mich auch. Da ist mein Wissen doch zu sehr begrenzt. Ich interessiere mich ja auch eher als Fotograf für die Optik als an dem Spielerischen…

Mit der Zeit wurde mir erst so richtig bewusst, wie weltumspannend Kegeln und Bowling sind! Problemlos kann man von Japan bis USA, von Europa bis Australien seiner Leidenschaft mit den neun Kegeln oder zehn Pins nachgehen, ist doch absolut großartig. Insofern würde ich natürlich gern mein fotografisches Wirkungsfeld und meinen „Jäger-und-Sammler-Trieb oder auch Tick“ auf andere Länder ausdehnen, Zeit und Geld schränken meinen Radius und mich allerdings ein bisschen ein, leider. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Ein bisschen Zeit habe ich ja noch.

Am Besten finde ich natürlich die älteren Damen, die ich immer mal wieder sehe, wenn ich fotografiere, die auch noch im hohen Alter und in ihrem Seniorenkreis zum gemeinsamen Kegeln beisammen sind, hält also fit. Das hat dann wirklich was von Tradition, wenn man das seit über 50 Jahren macht. Großartig!

 

Glauben Sie an die Zukunft des Sports?

Aber ganz gewaltig! Kegeln und Bowling haben nun wirklich viel zu bieten! Wieso sollte das die Menschen in Zukunft nicht mehr interessieren, Gegenfrage? Und überhaupt, gibt es irgend jemand in Deutschland, der noch nicht wenigstens einmal in seinem Leben Bowling oder Kegeln gemacht hat? Ich glaube fast Nein. Eine “richtige” Betriebsweihnachtsfeier ohne Bowling oder Kegeln ist doch kaum vorstellbar, wäre ja sterbenslangweilig. Ich bin davon überzeugt, dass der Mensch mehr will, als sein schönes neues Auto oder Smartphone zu bewundern und den ganzen anderen digitalen Unsinn in dieser manchmal viel zu virtuellen Welt! Das besonders Gute an Bowling und Kegeln ist nicht nur der ungemeine Spass und manchmal auch die unfreiwillige Komik bei dem ein oder anderen Spieler, sondern auch, dass nun wirklich alle Gesellschafts- und Altersschichten sich miteinander zu einem „Strike!“ oder „Gut Holz!“ treffen können, und es ist im Gegensatz zu anderen Sport- und Freizeitarten weder aggressiv noch halsbrecherich! Für mich hat es etwas Bürger- und Völkerverständiges, etwas Demokratisches. Gute Sache.

Ich bin nur auch der Meinung, dass die Menschen den „Wert“ auch monetär schätzen sollten: Eine Bahn oder Anlage ist nicht nur ein schöner Freizeitspass, sondern auch ein ganz schönes Investment, die Bahn muss gewartet werden, Techniker und Angestellte, Miete und Pacht bezahlt werden, zudem möchte ja vielleicht der Besitzer auch noch ein bisschen was verdienen. Ich bin mir sicher, dass das Bewusstsein vorhanden ist, dass Geiz eben doch nicht immer geil ist, wenn es dann die ein oder andere Bahn nicht mehr gibt.

Außerdem bin ich von Natur aus Optimist, da gilt auch mein Grundsatz aus einem schönen amerikanischen Film: „No good thing ever dies!“

 

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