Flug-Vergnügen

Eine neue kleine Serie erfreut mich: Portraits von Flugbegeisterten, Piloten und echten Pionieren der Lüfte! Natürlich ein bisschen als Ergänzung zu den Bildern der Flugzeugdetails.

Hier schon einmal eine erste Auswahl

 

Flieger, Flugzeugbauer und Restaurator
Das Flugzeugmuseum in Villingen-Schwenningen
Wer sich für Fliegerei und Flugzeuge interessiert, tut gut daran, einmal in Villingen-Schwenningen im Süden der Republik vorbei zu schauen. Dort findet man am Landeplatz EDTS das privat geführte Flugzeugmuseum mit 13.000 Quadratmetern Fläche von Margot und Manfred Pflumm. Über 50 Flugzeuge, Flugexponate und 350 Modellflugzeuge spiegeln die Geschichte und die Entwicklung der Luftfahrt in Ost und West wieder. Militärjets, Hubschrauber und Fluggeräte aus vielen  Jahrzehnten gibt es zu bestaunen. Ob Alpha-Jet, Starfighter oder MiG-15, der Hans Grade Eindecker, die AN-2 oder das Langsamflugzeug  „Zaunkönig“ von Hermann Winter, der LF-1, alles Maschinen, die Luftfahrtgeschichte geschrieben haben. Aber das eigentlich Eindrucksvolle sind tatsächlich die Karrieren der beiden betagten Eigentümer als auch die vielen Geschichten, die sie zu jedem einzelnen Stück erzählen können und zu berichten wissen. Das ist Luftfahrt pur und macht diesen Besuch so einzigartig.
Im Gespräch mit Margot und Manfred Pflumm merkt man sofort, dass sie die Fliegerei und die Leidenschaft für Flugzeuge seit frühen Jugendjahren niemals mehr losgelassen hat. Der gelernte Raumausstatter und ehemalige Deutsche Meister im Segel- und Modellfliegen bekam eines Tages von einem Theater den Auftrag, ein großes Flugzeug als Bühnendekoration nachzubauen. Dieses erste Geschäft war wohl so erfolgreich, dass weitere Aufträge folgten und Manfred Pflumm entschied, sein Hobby zum Beruf zu machen. Seitdem baute der Tüftler und selfmade-Typ an Flugzeugen, Maschinen, Tragflächen und Motoren, restaurierte diese und konnte langsam seine Sammlung aufbauen. Zu bestaunen gibt es auch Eigenkonstruktionen wie zum Beispiel dem voll funktionsfähigen „Pflumm Schleppgleiter“ von 1963, eine Mischung aus Segelflugzeug und Tragschrauber. Viele gefertigte Modelle und auch flugfähige Maschinen, unter anderem die „Spirit of St. Louis“, die FW-190 und eine Junkers J19 von 1918, haben ihren Platz in fremden Ländern gefunden, ob in Flugzeugmuseen, auf Flugplätzen oder bei Flugshows. Sein letzter großer Coup war der erfolgreiche Wiederaufbau einer alten Rockwell OV-10 Bundeswehr-Bronco mit neuem Erstflug von EDTS nach rund 12 Jahren Standzeit.
Alles wäre doch sehr harmonisch, wenn man hier über das sehr gepflegte Gelände mit dem vielen Grün flaniert, bei Kaffee und selbstgebackenem Kuchen bei Frau und Herrn Pflumm sitzt, in dem aufwendig gestalteten Hangar den wahrhaft gelungenen Nachbau und majestätischen Klassiker der Lüfte, der Fokker DR. I, bekannt durch „den Roten Baron“, bestaunen kann, wären da nicht das ein oder andere Flugzeug, die so aussehen, als wären sie gerade vom Schlachtfeld zurückgekehrt. Sind sie aber leider, und das Schlachtfeld heißt Hagelschauer und ging im Jahr 2006 auf das Museum und die Region nieder, ein regelrechter Hagel-Überfall mit Millionenschäden. Manfred Pflumm: „In zwanzig Minuten waren zwanzig Jahre Arbeit zerstört!“ Das Unwetter hat den Zustand der Flugzeuge stark in Mitleidenschaft gezogen. Viele Maschinen auf dem Gelände sind schwer beschädigt worden. Seitdem kämpfen Margot und Manfred Pflumm tapfer für den Wiederaufbau der zerstörten Flugzeuge und die notwendige Instandsetzung mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Das Ergebnis lässt sich schon sehen. Dieses Museum verdient allen nötigen Respekt und Aufmerksamkeit, wie ich finde.
Flugzeuge sind nun einmal eine teure Angelegenheit, nicht nur wenn sie fliegen. Vielleicht sogar mehr, wenn sie stehen. Flugzeuge mögen auch bekanntlich nichts, was mit Wetter und Witterungen zutun hat, insofern erinnert mich diese Geschichte nun unfreiwillig und unwillkürlich ein bisschen an Don Quicotte und seinen Heldentaten. Außerdem stelle ich mir die Frage, wie man tatkräftig mit anpacken und helfen kann. Es ist eigentlich nicht zu übersehen, dass diese „Wiederaufbau-Arbeit“ sehr viel Arbeitszeit, Geld und hervorragender Sachkenntnisse erfordern. Es ist gut investiert für den Luft- und Raumfahrtstandort Deutschland und den Nachwuchs, der gerade an solchen Orten wie hier in Villingen-Schwenningen bei den Pflumms ganz unprätentiös erfahren kann, was Fliegerei bedeutet. Wer das Ganze noch mit dem eigenen Körper spüren möchte bitte schön: Rundflüge und Fallschirmsprünge sind am nahen Flugplatz möglich.
Nächstes Jahr feiert das Museum sein 30-jähriges Bestehen. Das ist ein besondere Leistung, wenn ein Museum für Flugzeuge in privater Hand mit viel Herzblut und ungeheurem Engagement geführt wird. Ich wünsche Margot und Manfred Pflumm alles Gute für ihre Zukunft und viele weiteren Besucher des Museums, die sich von der Flugleidenschaft der Pflumms anstecken lassen.
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