David Rubinger – Ein Leben als Fotograf

Als einer der ganz großen Fotografen des letzten Jahrhunderts schuf David Rubinger Meisterwerke in Schwarz-Weiß. Manche titelten seine Bilder „Ikonen“ und setzten den langjährigen „Time Magazin“ Fotografen auf eine hohe Stufe. Das Bild der drei israelischen Fallschirmjäger vor der Klagemauer nach dem Sieg im Sechs-Tag-Krieg 1967 ging um die Welt und wurde zum Symbolbild einer ganzen Nation. Dabei war es eine Aufnahme, die er gar nicht recht mochte, wie er immer wieder in Interviews betonte. Vielmehr gefiel ihm seine intime Aufnahme von Menahem Begin und Anwar el Sadat, wie sie in einer kurzen Sitzungspause die Köpfe zusammen halten!

2014 hatte ich die Gelegenheit, mit Rubinger in Jerusalem zu sprechen, ein Interview mit ihm für die „Jüdische Allgemeine“ zu führen und eine kleine Portraitserie von ihm zu machen. Das Portrait zählt zu einem meiner Lieblingsbilder, da sein kritischer Blick für mich das ewige Spannungsverhältnis zwischen Israelis und Arabern widerspiegelt, wie ich meine. Die Aufnahme von Rubinger habe ich mit meiner Rolleiflex 80 f2,8 mit Blitz fotografiert. Als leidenschaftlicher Leica-Fotograf verging kein Tag, an dem er nicht mit seinem Fotoapparat unterwegs war und behauptete, dass es von ihm keine Fotografie gibt, auf der nicht Menschen zu sehen sind. Menschen und Köpfe waren das Einzige, was ihn an Fotografien interessiert hat, damit hat er Geschichten geschrieben. Und ich frage mich immer wieder bei der Betrachtung von Fotografien, und natürlich auch bei meinen eigenen Bildern: Ist das Bild lebendig, erzählt es mir einen Moment, einen Augenblick, fängt mich das Bild emotional? Das muss es sein, lebendig. Und stelle selber viel zu oft fest, dass großartige Aufnahmen, besonders Landschaftsaufnahmen oder Architekturbilder mich komplett kalt lassen, einfach nicht berühren, trotz aller Ästhetik oder Kunst.

David Rubinger ist am 01. März 2017 im Alter von 92 Jahren in Jerusalem gestorben und hinterlässt ein großes Erbe: Eine halbe Millionen Negative. Zu Lebzeiten hat er sein Archiv schon an Getty Images veräußert. Seine Bilder leben weiter. Mögen seine Zeitdokumente oft gezeigt werden und nicht in irgendwelchen Schubladen verstauben! Eine Anekdote zum Schluss: Ich war ganz entsetzt, als  ich von ihm hörte, dass er seine neue Leica Kamera vor zwei Jahren selber gekauft hat. Gut, man kann sagen, die Kosten werden für ihn verkraftbar sein, aber ich konnte es gar nicht glauben, dass ein Traditionshersteller wie Leica einem weltberühmten Fotografen, der über 70 Jahre mit Kameras der deutschen Nobelmarke besondere Aufnahmen gemacht hat, Rubinger keine aktuelle Ausrüstung sponsort. Was für ein Armutszeugnis, wie ich finde.

Wer etwas weiter lesen möchte:

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/19921

 

 

 

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