Alte Männer? Definitiv!

Und wie gut sie drauf sind! Ich bin wie umgedreht und sofort mitgerissen.

Oldtimer Speedway-Maschinen und ihre Fahrer. Es gibt eine Speedwaybahn im Herzen von Leipzig. Dort bin ich. Und ich treffe auf gut gelaunte Menschen, die eine Leidenschaft miteinander teilen: Die Liebe zu ihrem Sport .

 

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Sportliche Erfolge Ja, vielleicht keine Pioniere, aber Streckenmeister, Deutsche Meister, auch internationale Erfolgsgeschichten. Ein bisschen wie Früher ist es schon noch, ist ja auch alles noch da: Techniker schrauben und hantieren an den malträtierten Maschinen vor den Unterständen, überall ein bisschen Fachgesimpel mit dem ein oder anderen früherem Team-Kollegen oder auch Gegner und Fans, Familienangehörige und Zuschauer, die zwischen ihren Helden auf und ab schlendern. Dann heulen wieder die ohrenbetäubend lauten Einzylinder-Motoren auf und alle Herumstehenden atmen den seltsamen Ethanol-Dampf aus dem knatternden Auspuff ein. Das hat ein bisschen was davon, dass gleich die Schlacht beginnt und bei allen der Adrenalin-Pegel deutlich ansteigt. Dann drehen sie ein paar Runden auf ihrer alten Bahn. Alle sind glücklich.

Wie Weltkriegs-Veteranen erzählen sie sich die alten Geschichten und tauschen Erinnerungen aus, Fotoalben mit hunderten Bildern und Zeitdokumenten werden herumgereicht und immer wieder neu kommentiert. Sensationell. Da sind Didi aus Leipzig, Wolfgang aus Woltersdorf, Marcel aus Holland, Willi aus Belgien, Fred kommt wieder aus Leipzig und ein ganzer Rennstall aus Meißen geht auch an den Start. Natürlich kennen sie sich alle untereinander. Und einer ihrer größten Fans ist auch wieder mit dabei: Ein Mann, der seit über 30 Jahren bei Rennen dabei ist. Ein begeisterter Zuschauer. Jeden Fahrer kennt er, jeden Prospekt und Flyer hat er seit diesen Anfängen aufgehoben und gesammelt.

Ich bin begeistert von so viel Stolz und dem Charme, den diese Männer ausstrahlen. Sicher nicht mehr die Jüngsten, halten sie an ihrem Sport fest. Die meisten, 20 oder mehr Jahre später nach ihrer aktiven Sport-Laufbahn, haben ihre beruflichen Wege unterschiedlich ausgerichtet, sind in der ganzen Republik verteilt, aber treffen sich immer wieder, um ein Stell-Dich-Dein der Rennsport-Legenden, die sie zum Teil selber sind, zu feiern.

Das war nicht immer so. Schwerste Unfälle mit Toten und Verletzten auf der Rennstrecke waren keine Seltenheit. Tischtennis-Spielen ist sicher bedeutend harmloser. Und trotzdem sind die jungen Wilden immer wieder auf ihre schweren Maschinen gestiegen, um zu neuen sportlichen Erfolgen zu fahren. Natürlich ist das ein Sport, der allerhöchste Konzentration, körperliche Höchstform und viel Kraft von einem fordert. Vielleicht ist es der unbedingte Wille, die schweren Motorräder und Technik zu beherrschen und mit den Fliegkräften in den Kurven reizvoll zu spielen. Der Reiz der Gefahr wird auch eine Rolle spielen.

Es ist doch genau das, was ein Land groß macht: Menschen mit Leidenschaft, die einen Traum haben, die andere mitreißen und mit denen man sich verbrüdern kann, die Visionen in die Welt tragen und die von großen Zeiten vorschwärmen und erzählen können. Da ist es eigentlich ganz egal, um was es geht. Die Hauptsache ist doch, dass es überhaupt um ETWAS geht.

Keiner hat hier mehr den Ehrgeiz, dem anderen, damals verbitterter Gegener, keinen Zentimeter mehr zu schenken! Die Verbissenheit ist bei diesen älteren Herrschaften nicht mehr so da, vielleicht ist es gerade das, was mir die Sache erleichtert und so sympathisch macht. Und auch die Achtung und der Respekt untereinander vor den Leistungen der Anderen. So werden Freundschaften geschlossen. Über Grenzen hinweg. Und werden vielleicht schon an die nächste Generation weitergegeben.

 

 

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