All das Gerede!

Habe ich doch letztens eine interessante Stellenausschreibung gesehen… Redenschreiber für einen deutschen Spitzenverband der Wirtschaft gesucht! Da darf man sich ja mal kurz Gedanken machen, hier sind sie!

Jeder hat irgendetwas mitzuteilen! Gut. Kommunikation ist das Wichtigste. Und so ist die Sprache, ob gesprochen oder geschrieben, nicht nur da, um zu unterhalten, sondern vielmehr die Zuhörer schlauer zu machen und etwas in Bewegung zu setzen. Eine bildhafte Sprache macht dabei die meiste Freude, wie ich finde. Diese Bildsprache ist in anderen Ländern viel stärker ausgeprägt, als das bei uns der Fall ist. Schade. Das war nicht immer so: Deutschland ist so reich an Sprichwörtern und wortschöpferischen Spielereien!

Was ist eine gute Rede?

Man darf ja wohl zu Recht behaupten, dass die Sprache das stärkste und wirkungsvollste Instrument ist, dass der Mensch in der Lage ist, zu spielen und zu beherrschen. Es ist eigentlich eine Kunst. Dabei meine ich die Gradwanderung zwischen sprachlicher Eleganz, gepaart mit inhaltlicher Logik und formalem Aufbau, der Fokussierung auf einen bestimmten Höhepunkt, unterlegt mit einer Portion Humor und dem nötigen (auch seriösen) Unterhaltungswert zu beherrschen und gezielt einzusetzen, eine große Begabung ist! Es kommt einem virtuosen Geschenk gleich, Zuhörer und Publikum zu begeistern, anzuregen und zum Nachdenken zu ermuntern! Die Kunst besteht in diesem Sinne ihren „Praxistest“ erst dann, wenn das gesprochene – und auch das geschriebene – Wort mit dem gewollten Handeln und Tun in Einklang gebracht werden kann, wo wir beim Thema Ehrlichkeit und Überzeugungskraft sind. Nichts ist dem Menschen fremder und verwerflicher, als wenn Worte und Taten nicht harmonieren sondern irritieren! Dann sind wir irgendwo im Felde der Propaganda, die kein gescheiter Denker und Macher braucht. 

DER TON MACHT DIE MUSIK!

Allerdings auch manches Mal die Schnelligkeit, auf unterschiedliche und tagesaktuelle Geschehnisse einzugehen und sich zu positionieren. Stellungnahmen sind wichtig, um die Aufmerksamkeit bei Entscheidungsträgern in Politik und Gesellschaft zu erhöhen. Dabei sollte, von allen Formulierungskünsten abgesehen, immer eine „klare Kante“ gezeigt werden, als den größten Fehler jeglicher Public Relation zu begehen: es allen Recht machen zu wollen!

Das gesprochene Wort in einem Vortrag muss eine Spannungskurve erzeugen und meistern. Nach einer kurzen Einführung und Eröffnung sollte eine sinnreiche Argumentationskette aufgebaut werden bis zur abschließenden Festlegung auf einen bestimmten – und vielleicht auch mutigen und streitbaren – Standpunkt, der, selbstreflektiert, in seiner ganzen Logik und Konsequenz mit einem sensiblen Sprachgefühl brilliert. Eine Rede ist in meinen Augen meisterlich und erfolgreich (auch in Hinsicht Reichweite und Multiplikatoren), wenn das Auditorium die ernsthafte Intension und Tragweite eindeutig versteht und das Bewusstsein für die Übernahme von Verantwortung spürt. 

Nach einer Rede kommt der Dialog – aus einer passiven Zuhörerschaft wird ein aktives Forum, in dem die unterschiedlichen Perspektiven und Standpunkte mit Reife und Weitsicht ausgetauscht werden. Kritikfähigkeit und Gelassenheit braucht jeder vernunftbegabte Mensch, mit Beschimpfungen kommt man nicht weiter, mit Geschrei schon gar nicht. Selbstbeherrschung ist auch eine Kunst!

Nicht jede Rede muss hochtrabend und von größter intellektueller Güte sein, was man seinem Publikum vorträgt. So viel ist klar. Auch eine sehr einfache Sprache kann mitreißen, überzeugen und ermutigen! Sinn und Zweck einer Rede ist und bleibt die Positionierung, ob mit Forderungen verbunden oder nicht! Und das hängt nun einmal von Publikum und Thematik ab. Dass eine Rede zu aktuellen Trends in der Digitalisierung vor Studienabsolventen anders ausfällt als vor geladenen Gästen aus Industrie, Wirtschaft und Politik zum Thema „Herausforderungen im Transformationsprozeß der Deutschen Zuliefererindustrie“ sollte klar sein. 

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